Georg-Rodolf Weckherlin

Traum

Ich sah in meinem schlaf ein bild gleich einem got,
auf einem reichen thron ganz prächtiglich erhaben,
in dessen dienst und schutz zugleich aus lust und not
sich die torechte leut stets haufenweis begaben.
Ich sah, wie dises bild dem wahren got zu spot
empfieng, zwar niemal sat, gelübd, lob, opfergaben
und gab auch wem es wolt das leben und den tod
und pflag sich mit rach, straf und bosheit zu erlaben.
Und ob der himmel schon oftmal, des bilds undank
zu strafen, seine stern versamlete mit wunder,
so war doch des bilds stim noch lauter dan der dunder;
Bis endlich, als sein stolz war in dem höchsten schwank,
da schlug ein schneller blitz das schöne bild herunder,
verkehrend seinen pracht in kot, würm und gestank.