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Oskar Kanehl

Unterwegs

Es reißt mich in Nacht.
Aus ihrem Schacht
in den Viehwagen winkt
der Mond leichenfarb.
Leuchtest mir zum frühen Tod.
Kameraden betäuben sich.
Lieder sind lauter als Schmerz.
Ein paar sind schon Tiere.
Aus Augen und Maul
speien sie Rauflust.
Mancher sitzt stumm
und bedenkt noch.
Oder gräbt sich
sinnlos ins Dunkel.
Wir fliegen über helle Bahnsteige
wo Landsturm Spionen lauert.
Über Flüsse und Städte.
Immer tiefer in Nacht.
Ich hab keine Mutter mehr.
Von meinen Brüdern weiß ich nichts.
Ich bin Soldat und werde Mörder sein.
Blut durchsickert mein Herz.
Blut und Blut.
Bis es stickt.